UPDATE Tag 5: Kurven-Zauber im Silva Nigra


Bild und Text: Prof. Michael Hoyer Der Schwarzwald mit seinen rund 160 km Länge und bis zu 60 km Breite bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für ausgedehnte Halb- und Ganztagestouren mit dem Motorrad. Dabei sind natürlich nicht die großen Bundestraßen das Ziel für Motorradfahrer, sondern vielmehr die kleinen Sträßchen, die sich die Berge hinaufwinden und dann oben schöne Ausblicke über den Schwarzwald bieten. Diese Sträßchen haben teilweise fast den Charakter von alpinen Bergstraßen. Als gebürtiger Schwarzwälder kenne ich die vielen kleinen Dörfchen und Weiler, die meine Heimat so charakteristisch machen.

 

 

Der Hochschwarzwald ist eines der beliebtesten „Motorrad-Reviere“ in Deutschland. Bergige, kurven – und aussichtsreiche Strecken rund um den Titisee und Feldberg - durch Schluchten in Richtung Rhein oder über sonnige Höhen - dazu motorradfreundliche Gastgeber locken jährlich viele Motorradfreunde aus aller Welt.

Egal wo man im Schwarzwald startet und wo man dabei herauskommen möchte, die Fahrten mit dem Motorrad führen immer über Straßen, die dem Lenker und auch seinem Mitfahrer Spaß machen.

Der Schwarzwald: Kurven und traumhafte Aussichten

Grob kann man den Schwarzwald in drei Gebiete teilen. Da ist der Nordschwarzwald zwischen Pforzheim und Offenburg. Von diesen dunklen Tannenwäldern rührt hauptsächlich der düstere Name „Schwarzwald“ her. Nirgends sind die Wälder so dunkel – ja so schwarz, wie hier. Der mittlere Schwarzwald zwischen Offenburg und Freiburg, der mit seinen malerischen Flusstälern lockt, ist dagegen schon richtig lieblich. Und zwischen Freiburg und Basel der Hoch- und Südschwarzwald mit bekannten Seen und – an guten Tagen – Alpenblick.

Als Motorradgebiet lässt der Schwarzwald so gut wie keine Wünsche offen. Kurvige Straßen, malerische Aussichten und sehenswerte Städte und Orte sind überall zu finden. Neben dem Motorradfahren gibt es auch gutes badisches Essen und einige feine Tropfen Wein und Bier, so dass auch das Entspannen nach der Tour zu einem Highlight wird. Coronabedingt, geht das ja alles zur Zeit nicht, was einen echten Biker aber nicht davon abhält, trotzdem auf sein Bike zu steigen und die vielen Höhenmeter zwischen Rhein und Bodensee unter die Pneus zu nehmen.

Fahrerlebnisse im Schwarzwald zu jeder Zeit

Da der Schwarzwald zum sonnigen Südwesten Deutschlands gehört, streckt sich die Motorradsaison recht lange. Von Mitte/Ende März bis weit in den Oktober hinein, kann man an sonnigen und bewölkten Tagen das Fahrerlebnis genießen. Etwas Vorsicht ist in den Frühlings- und Herbstmonaten geboten: da der Schwarzwald das höchste Mittelgebirge Deutschlands ist, kann es durchaus auch im April noch bzw. im Oktober schon mal schneien.

Da ich normalerweise bereits gerne an Ostern eine große Tour ins Ausland unternehme und dies pandemiebedingt nicht geht, erkunde ich also zielgerichtet meine eigene Heimat, die ich ja eigentlich schon kenne. So dachte ich. Schnell wird mir bereits bei einer ersten Fahrt klar, dass ich meine Heimat eben doch nicht so genau kenne.

Tag 1: Die hohen Berge

Der gleichzeitig hohe und sonnig südliche Schwarzwald lockt zwischen Freiburg und Schaffhausen. Enge, steile und herausfordernde Kurven führen zu den höchsten Gipfeln des Schwarzwaldes und den Seen. An den Rändern finden sich das Markgräfler Land, sowie Hotzenwald und Wiesental. Auf Feldberg, Kandel, Schauinsland und anderen Aussichtspunkten hat man an guten Tagen eine grandiose Alpensicht. Hier gibt es Touren, bei denen fahrerisches Können vorausgesetzt ist und so nehme ich heute die „hohen Berge“ in Angriff.

Meine erste Tour führt mich von Villingen aus über eine alte Straßenverbindung in Richtung Vöhrenbach. Dieser Abschnitt lässt gleich die Offroad-Gene meiner italienische Reisebegleiterin, der Ducati Multistrada 1260, höherschlagen. Diese alte Verbindungsstraße ist ein wunderbarer, völlig legal und offiziell zu befahrener Waldweg, der an einem fabelhaften Ausflugsrestaurant (Der Auerhahn – auf Höhe von Unterkirnach) vorbeiführt. Die anschließende Weiterfahrt in Richtung Furtwangen durch das malerische Bregtal lässt bereits erahnen wie abwechslungsreich und wunderschönen der „silva nigra“, wie die alten Römer den Schwarzwald nannten, ist. Furtwangen ist bekannt für drei Dinge: Hier entspringt die Donau im Katzensteigertal, an der Pius-Kapelle, die Stadt beherbergt ein bemerkenswertes Uhrenmuseum (man denke an dieser Stelle an die Schwarzwälder-Kuckucks-Uhr) sowie dem vielleicht schönsten Ausblicksturm auf dem Brend in Richtung Feldberg. Und tatsächlich von hier aus sehe ich an diesem schönen Tag die noch tief verschneiten, fast 1500 Meter hohen Gipfel, des Feldbergs.

 

Durch das kurvenreiche Kilpental windet sich vom Brend aus das enge Sträßlein in Richtung Simonswald. Vorbei geht die Fahrt am mysthischen Kilpenhof. Hier brennt Sebastian Mack seit vielen Jahren nicht nur Schwarzwälder Schnaps-Spezialitäten in Form von Kirschwasser und anderen feinsten Spirituosen. Sebastian Mack hat sich vor einigen Jahren auch als ein begnadeter Whiskey-Brenner hervorgetan, dessen beiden Sorten Single Malt und Grain in den einschlägigen Kreisen als Geheim-Tipp bewertet werden. Als Motorradfahrer kann man die edlen Tropfen ja eher nicht probieren – aber allein der Geruch verheißt köstliche Spirituosen – und schnell ist ein Fässchen feiner Single-Malt-Whiskey gekauft, den ich heute am wärmenden Kachelofen genießen werde.

Nach dem Besuch der Schnaps- und Whiskey-Brennerei geht die Fahrt auf ungeteerten Wegen durch das Kilpental in Richtung Obersimonswald. Das anschließende Simonswälder-Tal ist ein typisches Schwarzwald-Tal, an dessen Ende sich mein persönlicher Lieblings-Berg im Schwarzwald befindet – der Kandel. Dieser Schwarzwald-Gipfel ist mit 1241 Metern Höhe eine der höchsten Erhebung im Mittleren Schwarzwald und der Hausberg der Stadt Waldkirch. Durch seine exponierte Lage wirkt er eindrucksvoller als benachbarte Berge vergleichbarer Höhe. Das schmale Teersträßchen verspricht viele Serpentinen bis auf den Gipfel, auf dem viele Drachenflieger die perfekte Thermik nutzen, um ihrem luftigen Abenteuer nachzugehen.

Kaum oben auf dem Kandelgipfel angekommen, geht es auch schon wieder hinunter. Durch das Glottertal traversiere ich Freiburg im Breisgau, bevor es dann auf alter, legendärer Rennstrecke zum nächsten Gipfel geht.

Der Schauinsland im Schwarzwald ist mit 1283 Meter der hohe Hausberg von Freiburg im Breisgau und ein Ausflugsziel. Früher hieß er wegen des Silberbergbaus „Erzkasten“; der Name „Schouwesland“ taucht 1347 erstmals auf. Er liegt rund zehn Kilometer südöstlich der Freiburger Stadtmitte.

Das ADAC-Schauinsland-Rennen war eine Motorsportveranstaltung die zwischen 1925 und 1984 auf einem ehemaligen Holzabfuhrweg, der heutigen Schauinslandstraße, von Horben zur Schauinsland-Passhöhe durchgeführt wurde, wobei 780 Höhenmeter auf zwölf Kilometer Streckenlänge überwunden werden mussten. Bis heute ist dies die längste und kurvenreichste Bergrennstrecke Deutschlands, auf der auch mehrere Europa-Bergmeisterschaftsläufe ausgetragen wurden. Von Horben aus kann man ganz bequem mit einer Drahtseilbahn dem Gipfel entgegen schweben, oder man nimmt die vielen Kurven und Spitzkehren unter die Reifen. Motorradfahrer dürfen diese alte Rennstrecke nur an Werktagen befahren – hier tummeln sich zu eigentlich jeder Jahreszeit die PS-gewaltigen Boliden mit wagemutigen Piloten auf der spannenden Kurvenhatz.

Die Ducati Multistrada 1260 nimmt die Jagd durch die Kurven leichtfüßig auf. Mit ihren 158 Pferdestärken, die bei ca. 7000 Umdrehung gewaltig an der Kette ziehen, schnurrt der Motor sportlich durch die mannigfachen Kehren und kann mit jedem Super-Sportler mithalten. Adrenalin durchflutet komme ich dann wenige Minuten nach dem Start in Horben auf dem Gipfel des Schauinsland an – und dann ist der Name Programm: SCHAU INS LAND. Der Blick geht von Freiburg über die Rheinebene, bei guter Sicht bis zu den Vogesen – und auf der anderen Seite des Gipfels hat man den nächsten Schwarzwald-Giganten im Visier: den Feldberg.

Wo es hoch geht – da geht es auf der anderen Seite auch wieder hinunter… Dieser alte Spruch bewahrheitet sich einmal mehr auf meiner schönen Tagestour durch den Hochschwarzwald. Vom Schauinsland geht die Fahrt weiter über den Notschrei ins Wiesental, um dann gewaltig an Höhe zu gewinnen und anschließend auf dem Feldbergpass anzukommen. Der Gipfel ist weder mit dem Motorrad noch dem Auto zu befahren und ist im Augenblick auch nur den wenigen Schneeschuh-Wanderern und Loipengängern vorbehalten. Wo sich sonst die letzten Wintersportler tummeln herrscht jetzt pandemische Ruhe. Zurück geht die Fahrt über den überaus schön gelegenen Titisee am Fuße des Feldbergs über das Schwärzenbachtal in Richtung Villingen.

Tag 2: Nostalgie und Kurven ohne Ende

Der nächste Tag begrüßt mich mit tiefhängenden Regenwolken. Dennoch starte ich heute die zweite Tour mit Ziel Mittlerer Schwarzwald. Der erste Navigationspunkt auf dieser Fahrt befindet sich im Groppertal bei St. Georgen. In diesem malerischen Schwarzwald-Tal fließt einer der Quellflüsse der Donau. Die Brigach ist eigentlich noch ein kleines Flüsschen, wird allerdings durch die fachmännische Arbeit einer ganzen Biber-Kolonie schon zu ansehnlichen Teichen aufgestaut. Meine Fahrt geht weiter über Schiltach und Schenkenzell zu einem beachtenswerten Ort in einem kleinen Seitental, das Kloster Wittichen ist ein ehemaliges Klarissenkloster an der kleinen Kinzig bei Schenkenzell im oberen Kinzigtal. Gegründet wurde das Kloster von der seligen Luitgard von Wittichen, im Jahre 1324. Gott soll der Überlieferung nach der Luitgard, die aus dem Schenkenzeller Ortsteil Kaltbrunn-Vortal stammte, an der Stelle des Klosters gesagt haben: „Hier sollst du mir ein Haus bauen!“ Also machte sie sich auf die Suche nach Mitschwestern und gründete mit 33 Schwestern in der Einöde von Wittichen ihr Kloster. Die kurvige Fahrt auf kleinsten Sträßchen geht über Bad Rippoldsau und dem Glaswaldsee auf den Brandenkopf. Nach jeder Kurve eröffnet sich ein neues, idyllisches Panorama. Ja – als der Liebe Gott den Schwarzwald geschaffen hat, da hatte er richtig gute Laune. Gewürzt hat er diese Idylle mit ein einer gute Prise Rauheit, sodass ein wunderschönes Mittelgebirge im Süden Deutschlands entstanden ist. Der Schwarzwald ist ja nicht nur ein echtes Biker-Revier – auch die Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten. Auf dem Gipfel des Brandenkopfs steht der 90 m hohe Brandenkopfturm, ein im Jahr 1929 erbauter Aussichtsturm aus Buntsandstein. Der Brandenkopfturm bietet von seiner Aussichtsplattform ein Rundumpanorama über den Schwarzwald, von der Hornisgrinde bis zum Feldberg. Bei guter Sicht ist es möglich bis in die Rheinebene, die Vorgesen, zum Pfälzer Bergland, selbst zum Jugendland von Neckar und Donau und der dahinterliegenden Schwäbischen Alb zu blicken. Manchmal ist es sogar möglich im Süden auf die schneebedeckten Alpen von der Zugspitze bis zum Mont Blanc zu schauen.

Auf der Heimfahrt wartet in Freudenstadt noch eine weitere Überraschung. Herbert Türk hat mich in eine besondere Location aus dem vergangenen Jahrhundert eingeladen. Die Waldlust war einst ein Treffpunkt für die Welt. Anfang des vorletzten Jahrhunderts eroberte das von Hotelier Ernst Lutz gegründete Haus binnen weniger Jahre einen Top-Rang unter den Grand-Hotels. Der Hochadel, Prinzen und Durchlauchten, Künstler und Finanzmagnaten, Filmstars und das noble Bürgertum, sie pilgerten alle in dieses majestätisch am Hang thronende Komforthotel. Einst voll Leben, liegt dieses historische Gebäude heute im Dornröschenschlaf. Mittlerweile ist die Waldlust wiedererwacht. Der „Lost-Place“ mit seinem morbiden, aber edlen Charme ist für viele Fotografen ein echter Anziehungspunkt. Herbert Türk ist der 1. Vorsitzende der Denkmalfreunde WALDLUST e.V. und zeigt mir voller Stolz das Innere des ehemaligen Grand-Hotels. Ich bin echt beeindruckt, von der damaligen Modernität des Hotels mit fließendem Wasser und Strom auf jedem Zimmer. Immerhin – das Haus wurde am 26. Mai im Jahr 1900 eröffnet und befindet sich heute – ziemlich unverändert nach 121 Jahren immer noch in einem ganz passablen, wenn auch brüchigen, Zustand. Weitere Informationen zu diesem Lost-Place gibt es unter https://waldlust-denkmal.de . Völlig geflasht durch dieses Erlebnis vergleiche ich auf der Heimfahrt nach Villingen den Wohnkomfort aus dem vergangenen Jahrhundert mit heute und stelle fest, dass sich gar nicht so viel verändert hat. Total gegensätzlich ist der Unterschied zwischen früheren Motorrädern (das erste Motorrad der Welt wurde bereits 1885 gefertigt) und der Motorradtechnik von heute.

Tag 3: Überraschungen soweit der Blick reicht

Von Motorradfahrern frequentiert sind die Schwarzwaldstraßen vor allem im Frühjahr und im Sommer, hauptsächlich an den Wochenenden. An manchen Tagen kommt man vor lauter Grüßen fast nicht mehr mit der linken Hand an den Lenker. Es gibt aber auch Routen, die weniger befahren sind und an Wochentagen ist meist eine Fahrt auch ohne Autoschlangen und Sonntagsfahrer möglich. Wer in den Morgen- und Abendstunden sowie am Rande der Saison unterwegs ist, kann aber auch kilometerweit gar kein anderes Fahrzeug treffen. Der nächste Tag ist ein Tag, an dem ich wirklich fast keinen einzigen Motorradfahrer sehe, obwohl es ein Sonntag ist. Es ist der Oster-Sonntag, und die Ducati wurde reich von goldigen Schokoladen-Hasen heimgesucht…

Mit der Ducati bin ich schnell die ca. 80 Kilometer von Villingen bis Nagold über die Autobahn gehuscht. Bei Tempo um die 200 fliegt der Asphalt nur so unter mir hinweg und die Laufruhe gerade bei hohen Geschwindigkeiten ist wirklich gigantisch. Den ersten Fotostopp lege ich in Altensteig ein.  Eingebettet in die wildromantische Landschaft des Oberen Nagoldtals präsentiert sich Altensteig idyllisch und gleichzeitig lebendig - ein Ort wie gemalt, betrachtet man die Altstadtsilhouette. Die als Gesamtanlage unter Denkmalschutz stehende Altstadt gehört der Deutschen Fachwerkstraße und der Heinrich-Schickhard-Straße an.

Gleich hinter Simmersfeld fahre ich an einem großen Acker vorbei und entdecke eine Schwarzwälder Spezialität, von der ich NIE gedacht hätte, dass sie auch aus dem Schwarzwald kommt: Beluga-Linsen. Da ich Hülsenfrüchte für mein Leben gerne esse kaufe ich an der „Milchtankstelle“ zwei Päckchen von diesen sehr schmackhaften Linsen.

An der Nahtstelle zwischen Schwarzwald, Kraichgau und Stromberg gelegen, präsentiert sich die Goldstadt Pforzheim in landschaftlich reizvoller Lage. Die Brückenfunktion zu den Ballungsräumen Karlsruhe und Stuttgart macht Pforzheim zu einem der attraktivsten Standorte in Baden-Württemberg. Gleichzeitig gilt Pforzheim als Tor zum Schwarzwald. Die richtige Schwarzidylle kommt beim Zusammenfluss von Enz und Nagold in der Stadtmitte auf. Genau diesem Fluss folge ich nun auf einer kurvenreichen und flott zu befahrenden Straße einige Kilometer. In Renningen treffe ich dann auf einen Global-Player, den Forschungscampus der Firma Bosch bildet den internationalen Knotenpunkt der Bereiche Forschung und Vorausentwicklung, Car Multimedia und Bosch Center for Artificial Intelligence. Die Architektur dieses gewaltigen Industrieunternehmens ist sehr beeindruckend.

Und wenn ich das Thema Architektur für meinen letzten Fotostopp in den Fokus stelle, dann steht das Thema Baukunst wirklich absolut im Vordergrund. Schnell bin ich von Herrenberg wieder über die Autobahn A81 in Richtung Villingen-Schwenningen unterwegs. Eine Autobahnausfahrt vor meiner Heimat befindet sich Rottweil – die älteste Stadt Baden-Württembergs – und die Stadt der Türme. Neben mannigfachen Kirchen und Wehrtürmen befindet sich hier der Thyssenkrupp Elevator-Testturm. Dieses architektonische Meisterwerk ist ein 246 Meter hoher Aufzugstestturm für Express- und Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Der von 2014 bis 2017 von Thyssenkrupp Elevator errichtete Turm bietet mit 232 Metern die höchste Besucherplattform Deutschlands und ist der weltweit zweithöchste Testturm für Aufzugsanlagen. Voller Eindrücke endet diese wunderbare Tour durch den mittleren Schwarzwald.

Tag 4: Idyllische Schroffheit

Die nächste Tour lässt sich sicher mit der Überschrift „Idylle mit einer gehörigen Portion Schroffheit“ betiteln. Die Fahrt beginnt in Sankt Georgen und mäandert dann über steile Schwarzwald-Täler mit giftigen Höhenunterschieden in Richtung Staude und Unterhohnenhof bei Gremmelsbach/Tribeg. Im Unterhohenhof erwartet mich Inge Fehrenbach und lässt mich von den vielen feinen Schwarzwald-Käse-Sorten probieren. Eines ist klar – das Abendessen ist gesichert, denn diese Käse-Spezialitäten sind wahre Gaumenfreuden.

Weiter geht die Fahrt bergab bis Niederwasser, um dann wieder steil bergauf über die Schöne Aussicht bis Schonach, um dem Himmel sehr nahe zu kommen. Und immer, wenn es auf der Seite im Schwarzwald bergauf geht – dann geht es auf der anderen Seite wieder bergab. Durch das anmutige Oberprechtal geht die Fahrt nun über kleinste Nebenstrecken bis zu einem weiteren Schwarzwald-Idyll: Lahr. Im Herzen der Ortenau, mit Ausblick in die fruchtbare Oberrheinebene bis hin zu den Vogesen im benachbarten Frankreich, liegt diese sympathische Stadt. Lahr liegt am Rand des südlichen Schwarzwaldes mit großflächigen Waldgebieten auf der einen Seite und die ausgedehnten sonnenreichen Weinberge auf der anderen. Lahrs kleinteilige Innenstadt besticht mit einer Mischung aus Fachwerk und stattlichen Bürgerhäusern. Vom Naturschutzgebiet Langenhard (einem ehemaligen kanadischen Truppenübungsplatz) mit einer Höhe von 450 m ü. d.M. gibt es eine herrliche Aussicht in den Schwarzwald und in die Rheinebene bis hin zu den Vogesen.

In dem Vorort Kuhbach von Lahr besuche ich noch rasch den Metzger Dold. Hier gibt es den vielleicht besten Schwarzwälder Schinken. Meister Dold hält viel von Qualität und weniger von Quantität. So schlachtet er nur Tiere aus der Region und legt auch bei der Verarbeitung des Schwarzwälder Schinkens viel Wert auf eine individuelle Note. Das Abendessen heute wird wirklich ein Gaumenschmaus: leckerster Käse vom Unterhohnenhof und eine deftige Scheibe Schwarzwälder Schinken aus Lahr…

Von Lahr aus geht die Rückfahrt über Freiamt und Obersimonswald, um dann noch einmal über das Kilpental auf über 1000 Meter Höhe in Richtung Furtwangen diese Tour ausklingen zu lassen.

Tag 5: Hoppla – der Hotzenwald

Meine letzte Schwarzwaldtour geht nun ganz in den Süden. Der Hotzenwald ist eine Landschaft und Region im Südschwarzwald im Landkreis Waldshut. Der Hotzenwald hat eine sehr idyllische Aura und bietet gleichzeitig eine enorme landschaftliche Vielfalt, die zu einer abwechslungsreichen Motorradtour einlädt. Hier kann man Zeit finden um vom Alltagsstress abzuschalten und ganz schnell in den Flow des genüsslichen Motorradfahrens zu gelangen.

In Wolterdingen überquere ich wieder einmal einen Donauzufluss – die Breg. Sehr idyllisch gelegen ist der große Kirnbergsee bei Unterbränd. Dieser See, umgeben von herrlichen Wiesen und ausgedehnten Wäldern, bietet Natur pur. Dieses Kleinod, in 785 m Höhe im Südschwarzwald gelegen, ist weit über die Landesgrenzen bekannt. Bekannt ist auch eine kleine Bierbrauerei unweit der Stadt Bonndorf. Die Badische Staatsbrauerei Rothaus AG ist eine Brauerei mit Sitz in Rothaus, einem Ortsteil von Grafenhausen, der im Südschwarzwald in rund 1.000 Metern über NN unweit des Schluchsees liegt und ist damit die höchstgelegene Brauerei Deutschlands. Sie befindet sich im Eigentum der landeseigenen Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg. Die Brauerei Rothaus erlebte in den 1990er Jahren einen rasanten Aufschwung und setzt mittlerweile zehn Prozent ihrer Bierproduktion außerhalb von Baden-Württemberg ab. Von hier aus hat man immer wieder fantastische Weitblicke in Richtung des schneebedeckten Feldbergs.

Weiter geht diese wunderschöne Tour mit einer gehörigen Portion Off-Road. Zwischen Hürrlingen und Riedern am Wald schlängelt sich ein Waldweg, der für KFZ freigegeben ist, durch den Schwarzwald. Schnell bin ich dann fast an der Schweizer Grenze und bleibe immer auf Hanghöhe, die Bundestraße direkt am Rhein meidend, und fahre Richtung Wehr. Weit über die Landschaft sieht man immer wieder die Kühlwolken des Atomkraftwerks auf Schweizer Seite, des Kernkraftwerks Leibstadt. Auch wenn ich immer gerne Strom aus der Steckdose habe, so bereitet mir der Anblick eines Atomkraftwerks spätestens seit dem Super-Gau von Fukushima und Tschernobyl immer wieder Angst und Schrecken. Die Fahrt geht weiter durch das Tal der Wehra, welches sich in verschiedene Abschnitte einteilen lässt. Der Oberlauf ist ein schwarzwaldtypisches Hochtal, ist jedoch mit 200 bis 300 Metern Tiefe deutlich reliefierter als die östlich benachbarten Hochtäler des Hotzenwaldes. In ihrem Mittellauf schneidet die Wehra eine teils über 400 Meter tiefe Schlucht in den Südwestabfall des Schwarzwaldes. Der etwa sieben Kilometer lange unterste Talabschnitt trennt den kaum gegliederten, steilen, gut 500 Meter hohen Westabfall des Hotzenwaldes. Diese drei Abschnitte sind auf der kurvenreichen Fahrt in Richtung Sankt Blasien sehr eindeutig wahrnehmbar. Der Dom St. Blasius, die ehemalige Abteikirche des Klosters St. Blasien, hat eine Gesamthöhe von 62 Metern und wurde 1783 eingeweiht. Sie war damals die drittgrößte Kuppelkirche Europas und stellt auch heute noch ein monumentales Kirchengebäude dar.

Meine fünf Touren durch die Schwarzwälder Kurven-Vielfalt endet am Schluchsee. Auf den letzten Kilometern in Richtung Villingen-Schwenningen resümiere ich, dass der Schwarzwald wirklich ein geniales Motorradrevier ist. Abwechslungsreich und vielfältig. Echte Genusstouren wechseln sich hier in rekordverdächtiger Geschwindigkeit mit anspruchsvollen, engen Serpentinen und verschiedenen Offroad-Einlagen ab. Wieder einmal habe ich viele neue Facetten meiner Heimat kennen gelernt – und wer Lust bekommen hier einmal einen Urlaub und/oder auch nur die ein oder andere Tagestour zu machen, dem sei versichert, dass es im „silva nigra“ nie langweilig wird.

 

 

Kategorie: Adventure | Travel