Von Salzburg nach Singapur


30.000 Kilometer in 245 Tagen auf zwei KTM 790 Adventure R. Entlang der ehemaligen Seidenstraße. Was sich für viele wie ein verrückter Traum anhört, wurde für Florian Greger und Roman Schießl Anfang April diesen Jahres Wirklichkeit. Touratech begleitet die beiden beim größten Abenteuer ihres Lebens.

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In Usbekistan erwarten uns mit den prächtigen Karawanenstädten Xiva, Bukhara und Samarkand die einstigen kulturellen Hochburgen und somit die Perlen der Seidenstraße. Leider sind die mit Schlaglöchern übersäten Straßen fahrerisch nicht gerade einladend, weshalb unsere KTM 790 Adventure R nur für die Verbindungsetappen zwischen den Städten bewegt werden. Doch das Sightseeing wie aus 1001 Nacht entschädigt diese Strapazen und wir erkunden die traumhaften antiken Plätze wie u.a. Registan und das Schahi-Sinda-Ensemble in Samarkand zu Fuß. Besonders der Ausblick nach unten von einer der Türme hat es uns angetan.
Usbekistan öffnet sich gerade ab diesem Jahr besonders gegenüber dem Tourismus und erteilt vielen Ländern Visafreiheit - was auch an den Mengen der Reisegruppen deutlich bemerkbar wird.
Nach einigen Tagen beeindruckenden Sightseeing in hitzigen Städten, aber eher öden Fahrten durch die flachen Wüstenebenen, können wir es kaum erwarten wieder auf unsere beiden KTM 790 Adventure R zu steigen und in Richtung der Hochgebirge Tadschikistans aufzubrechen - Wir sind nun voller Vorfreude den Pamir Highway in Angriff zu nehmen und schnuppern bereits die Höhenluft!

Tajikistan ist für uns Liebe auf den ersten Blick: Wir treffen super freundliche und auffallend viele junge Menschen - nahezu alle am Straßenrand winken uns zu und die Kinder geben uns sogar High-Five. Nach langer Zeit bekommen wir endlich wieder hohe Berge, enge Schluchten mit reißenden Bächen und himmelblaue Gebirgsseen zu Gesicht. Zusammen mit Martin sind wir nun auf drei KTM 790 Adventure unterwegs und testen unsere Offroad-Fähigkeiten am Iskanderkul-See bevor wir uns an den Pamir Highway heranwagen. Nur der Schnee auf der Fahrbahn des Anzob Passes konnte uns schlussendlich stoppen.

Der Pamir Highway in Tajikistan ist für viele Motorradreisende ein abenteuerlicher Traum, den wir uns nun erfüllen. Sein höchster Punkt führt uns über den Ak-Baital Pass auf 4.655m - der reduzierte Sauerstoff lässt uns bemerkbar schwerer atmen. Die umliegende Berglandschaft mit ihren schneebedeckten 7.000m Gipfeln ist ebenfalls atemberaubend.
Drei Tage haben wir zu unserer rechten Seite Afghanistan im Blick und sind nur durch einen Grenz-Fluss getrennt.
Gleich im ersten Abschnitt müssen wir zwei knietiefe Bäche mit großem Geröll im Flussbett durchqueren. Wir sind froh uns bei diesen Abenteuer zu viert gegenseitig unterstützen zu können. Neben Martin auf seiner KTM 790 Adventure hat sich uns nun auch Carlo auf seiner Royal Endfield Himalayan angeschlossen. (@riding_for_happiness)
Die Schlagloch übersäten Offroad-Pisten mit Sand- und Schotterpassagen fordern uns und die vollbepackten KTM 790 Adventure R heraus und machen gleichzeitig enormen Spaß.
Wir passieren mehrere Militärposten und die Dörfer werden dünner besiedelt - die überaus eifrig winkenden Kinder am Straßenrand sind tatsächlich überall zu sehen.
Auf der Südroute ins Wakhan Tal treffen wir den ganzen Tag nur auf ein einziges weiteres Fahrzeug. Sonst bekommen wir kaum Menschen zu Gesicht - nur ein paar Schafsherden durchkreuzen immer wieder unseren Weg. Vorbei am Karakul-See endet mit der Grenzstation auf 4.300m unser Abenteuer Pamir Highway und beginnt das Erlebnis Kirgistan.

Unser Aufenthalt in Ostanatolien hat sich unfreiwillig verlängert, da der Iran seit Mitte April spontan beschlossen hat, die alte 250 ccm Regulierung nun spontan und sehr strikt umzusetzen. Trotz aller vorhandenen Papiere wurden wir an 3 verschiedenen Grenzübergängen von iranischen Zollbeamten zurückgewiesen. Nun mussten wir eine zusätzliche 3.000 km Strecke in Kauf nehmen: über Naxcivan, nochmal zurück in die Türkei und anschließend über Georgien nach Armenien, wo uns die Hilfe eines in der Reiseszene bekannten Kontaktmanns für eine Sondergenehmigung zu einem Iran-Transit in Aussicht gestellt wurde.

Dieser Umweg bescherte uns aber keines Falls nur Missmut, sondern auch entspannte Momente am türkisblauen Wasser des Van-Sees, erholsame Tage in den Weinbergen von Georgien und schlammige Offroad-Pisten in Armenien, die uns nochmal herausgefordert haben bevor der entscheidende Grenztag zum Iran bevorstand. Nach zahlreichen Stunden im Niemandsland durften wir endlich bei Versuch Nummer 4 passieren und waren überglücklich als einer der wenigen Reisenden (bis dato 2019) selbst im Sattel der KTM 790 Adventure R den Iran in 8 Tagen durchqueren zu dürfen. Die iranische Bevölkerung erwartete uns mit überschwänglicher Gastfreundschaft, so dass es für uns oftmals nicht leicht war, den Schlafplatz im Haus auszuschlagen und unseren idyllischen Zeltplatz vorzuziehen.

So konnten wir in vollen Zügen die Natur der Berge und Wüste genießen - die Sightseeing Highlights der Städte blieben uns aufgrund des Zeitdrucks leider verwehrt, so dass wir auf alle Fälle wieder kommen müssen! Mit Turkmenistan erwartete uns nach Nordkorea der zweit totalitärste Staat der Welt, was uns bei der mühsamen und langwierigen Einreise- sowie Geldwechsel-Prozedur eine erste Idee geben sollte: Den tatsächlichen „Straßenkurs“ erfährt man nur unter vorgehaltener Hand, was die starke Inflation wohl verheimlichen soll. Die „weiße Stadt“ Ashgabat ist wie auf dem Reißbrett entworfen uns protzt mit Status-Denkmälern des Präsidenten. Die darauffolgenden Karakum-Wüste ist ein brutaler Gegensatz zu Land und Infrastruktur -

 

Hier müssen wir uns tatsächlich vor Kamelen in Acht nehmen, die unerwartet auf der von Schlaglöchern übersäten Buckelpiste namens „Straße“ auftauchten.

Am brennenden Gas-Krater von Derweze bietet uns ein Ziegenhirte spontan seine Jurte an und bekocht unsere gesellige Runde von 5 Motorradreisenden köstlich, so dass wir genug Zeit haben das Feuer-Schauspiel im Campingstuhl zu genießen. Nach 4 Tagen Transit durch Turkmenistan sind wir ehrlich gesagt etwas erleichtert Usbekistan zu erreichen, was deutlich bessere Infrastruktur und hoffentlich weniger staatliche Überwachung für deren Einwohner bereithält.

Wir haben in 3 Wochen die Türkei durchquert und befinden uns nun in Ostanatolien. Diese Region der Türkei beeindruckt uns mit engen Schluchten und imposanten Stauseen. Wir erkunden abgelegene Täler entlang von idyllischen Gebirgsbächen - wie bei unserer Fahrt über eine Hängebrücke.

Ihren Anfang nahm die Reise schon vor über einem Jahr in einem Salzburger Ingenieurbüro, in dem sich Roman und Florian als Kollegen ursprünglich kennen gelernt hatten. Eine Weltkarte an der Wand brachte die beiden mitten im stressigen Büroalltag auf den Gedanken, dem Trott einfach einmal den Rücken zu kehren und die Welt zu entdecken – am liebsten auf dem Motorrad. Die spontane Idee setzte sich in den Köpfen fest und formte sich zu einem Plan: Eine Motorradreise entlang der ehemaligen Seidenstraße – einer der längsten befahrbaren Landwege der Welt...im Travel Time 01 und 02/19 sowie hier auf unserer Webseite könnt Ihr die Geschichte weiter verfolgen.

Kategorie: Adventure | Travel